Mit LinkedIn Collaborative Posts – auf Deutsch: gemeinsame Beiträge – bekommt die Zusammenarbeit zwischen persönlichen Profilen und Unternehmensseiten eine neue Intensität. Für Unternehmen eröffnet das strategische Chancen – besonders dann, wenn sie Corporate Influencer aufbauen und ihre Unternehmensseite stärker mit den Menschen verbinden möchten, die ihr ein Gesicht geben.
Was ist ein LinkedIn Collaborative Post?
Ein LinkedIn Collaborative Post ist ein gemeinsamer Beitrag mit mehreren (bis zu fünf!) sichtbaren Mitwirkenden. Nach deren Zustimmung erscheint er auch auf den beteiligten Profilen beziehungsweise Unternehmensseiten. Es bleibt ein gemeinsamer Beitrag, anstatt mehrere Kopien zu veröffentlichen.
So funktioniert die Zusammenarbeit
Du erstellst einen Beitrag und wählst „Add collaborators“ beziehungsweise die entsprechende Option zum Hinzufügen von Mitwirkenden. Anschließend lädst du passende Kontakte oder eine Unternehmensseite ein und veröffentlichst den Beitrag. Die Eingeladenen erhalten eine Benachrichtigung und entscheiden, ob sie mitwirken möchten. Bei einer Unternehmensseite nimmt ein Seitenadministrator die Einladung an.
Bis zu fünf Mitwirkende sind möglich. Der Beitrag muss öffentlich sein. Unterstützt werden unter anderem Texte, Bilder, Videos und Dokumente. Bearbeiten kann ihn nur der ursprüngliche Ersteller. Stimme deshalb Inhalt und spätere Änderungen vorher mit den Beteiligten ab.

Die Klon-Krieger-Strategie bekommt ein Upgrade
Viele Unternehmen kennen das Prinzip: Das Marketing bereitet einen Beitrag vor, anschließend sollen möglichst viele Mitarbeitende die Botschaft über ihre Profile verbreiten. In der einfachen Variante entstehen dabei die berühmten Klon-Krieger. Gleicher Text, gleiches Bild, gleiche Begeisterung – manchmal bis zum letzten Ausrufezeichen.
Die Idee dahinter ist nachvollziehbar. Unternehmen wollen die Netzwerke ihrer Mitarbeitenden erreichen und ihnen die Kommunikation erleichtern. Wenn jedoch alle wortgleich auftreten, geht die persönliche Perspektive verloren. Außerdem verteilen sich Kommentare und Rückfragen auf verschiedene Beiträge.
Gemeinsame Beiträge können diese Strategie verbessern. Für eine gemeinsame Nachricht lässt sich ein gemeinsamer Beitrag planen. Die Beteiligten stehen sichtbar dahinter und können sich mit ihrer jeweiligen Expertise in die Diskussion einbringen. Das Marketing muss weniger Textkopien koordinieren, und Interessierte finden die Unterhaltung an einem Ort.
Ein Beispiel: Dein Unternehmen veröffentlicht einen Praxisleitfaden. Statt mehreren Mitarbeitenden denselben Werbetext zu schicken, entsteht ein LinkedIn Collaborative Post mit der Unternehmensseite und den Fachleuten, die den Leitfaden entwickelt haben. Eine Person erklärt im Beitrag die Ausgangsfrage, eine weitere beantwortet fachliche Rückfragen in den Kommentaren.
Individuelle Beiträge bleiben trotzdem sinnvoll. Wenn jemand eine eigene Erfahrung, eine andere Zielgruppe oder einen zusätzlichen Gedanken einbringt, verdient das einen eigenen Post. Die entscheidende Frage lautet: Haben wir eine gemeinsame Botschaft – oder mehrere interessante Perspektiven?
Corporate Influencer werden als Fachleute sichtbar
Corporate Influencer können einem Unternehmen Glaubwürdigkeit verleihen, weil sie aus ihrer täglichen Arbeit berichten. Dafür brauchen sie eigene Themen, eine erkennbare Haltung und die Freiheit, in ihrer Sprache zu kommunizieren.
Gemeinsame Beiträge schaffen eine direkte Verbindung zwischen dieser persönlichen Kompetenz und dem Unternehmen. Eine Mitarbeiterin erläutert beispielsweise, wie ihr Team ein Kundenproblem gelöst hat. Die Unternehmensseite wirkt am Beitrag mit. Damit wird sichtbar, wo die Expertise zu Hause ist und welche Menschen hinter der Leistung stehen.
Das kann besonders für Fachthemen hilfreich sein, bei denen ein Unternehmenslogo allein wenig erklärt: technische Entwicklungen, Beratung, Personalführung oder komplexe Dienstleistungen. Menschen können Fragen beantworten, Erfahrungen einordnen und Verantwortung für eine Aussage übernehmen.
Wähle die Mitwirkenden deshalb nach ihrem tatsächlichen Bezug zum Thema aus. Die Projektleiterin passt zum Projektbericht, der Ausbilder zum Einblick in die Ausbildung und der Geschäftsführer zur strategischen Entscheidung. Eine große Kontaktzahl allein macht noch niemanden zum passenden Mitwirkenden.
Auch die Zustimmung gehört zur Strategie. Mitarbeitende sollten selbst entscheiden können, welche Unternehmensbotschaften auf ihrem persönlichen Profil erscheinen. Wer langfristig glaubwürdige Corporate Influencer aufbauen möchte, braucht diese Freiwilligkeit.
Unternehmensseiten bekommen mehr Verbindung zur Praxis
Eine Unternehmensseite soll vieles gleichzeitig leisten: Kompetenz zeigen, Leistungen erklären, Arbeitgeberprofil vermitteln und aktuelle Entwicklungen begleiten. Das Marketing kann dafür einen guten Rahmen schaffen. Die anschaulichen Geschichten entstehen häufig anderswo.
Im Vertrieb tauchen Kundenfragen auf. Im Service zeigt sich, wo Erklärungsbedarf besteht. In Projekten werden Lösungen entwickelt. Genau dort beginnt die Zuarbeit für eine lebendige LinkedIn-Unternehmensseite.
LinkedIn Collaborative Posts können daraus einen klaren redaktionellen Prozess machen. Ein Fachbereich liefert die Beobachtung und das Beispiel. Das Marketing entwickelt daraus einen verständlichen Beitrag. Die beteiligte Fachperson prüft die Aussagen und wirkt sichtbar an der Veröffentlichung mit.
So lässt sich fachliche Tiefe mit einem professionellen Unternehmensauftritt verbinden. Gleichzeitig bekommt die Zuarbeit ein Gesicht: Wer Wissen beiträgt, bleibt als beteiligte Person erkennbar.
Für kleinere Unternehmen ist das besonders interessant. Du brauchst dafür kein großes Botschafterprogramm. Starte mit einer Person, die etwas Hilfreiches zu erzählen hat, und einem Thema, das deine Kunden tatsächlich beschäftigt.
Gemeinsame Beiträge für Partnerschaften und Veranstaltungen
Die Zusammenarbeit muss nicht an der eigenen Bürotür enden. Auch Kundenprojekte, Kooperationen und Veranstaltungen bieten passende Anlässe.
Nach einem Workshop können Veranstalter und Referent gemeinsam die wichtigsten Erkenntnisse veröffentlichen. Bei einem Kundenprojekt können Auftraggeber und Dienstleister ein abgestimmtes Ergebnis vorstellen. Ein Netzwerk kann mit beteiligten Fachleuten einen inhaltlichen Veranstaltungsrückblick gestalten.
Der strategische Vorteil liegt in der sichtbaren Verbindung: Die Beteiligten bestätigen durch ihre Mitwirkung, dass sie hinter dem Inhalt stehen. Zugleich kann der Beitrag Menschen aus unterschiedlichen Netzwerken erreichen. Voraussetzung ist ein Inhalt, der für diese Zielgruppen relevant ist.
Ein gemeinsamer Beitrag sollte deshalb mehr liefern als ein Gruppenfoto mit „Tolles Event!“. Welche Frage wurde beantwortet? Welche Erkenntnis hilft anderen weiter? Was lässt sich aus der Zusammenarbeit lernen?
Mehr Reichweite ist eine Chance, keine Zusage
Mehrere Absender können zusätzliche Sichtbarkeit ermöglichen. Daraus lässt sich jedoch weder eine garantierte Reichweitensteigerung noch eine Addition aller Kontaktzahlen ableiten. Überschneidungen zwischen Netzwerken, Interesse am Thema und die Ausspielung durch LinkedIn beeinflussen das Ergebnis.
Bewerte deshalb auch die Qualität der Reaktionen: Entstehen fachliche Gespräche? Melden sich passende Interessenten? Werden die beteiligten Fachleute angesprochen? Führt der Beitrag zu relevanten Besuchen oder Anfragen?
Kläre außerdem vorab das Reporting. LinkedIn beschreibt Einschränkungen bei den Engagement-Daten für Unternehmensseiten, die als Mitwirkende hinzugefügt werden. Lege deshalb fest, wer veröffentlicht und wer die Ergebnisse dokumentiert.
So startest du sinnvoll
Wähle für deinen ersten LinkedIn Collaborative Post einen Anlass, bei dem die Zusammenarbeit ohnehin besteht: ein abgeschlossenes Projekt, einen gemeinsamen Leitfaden oder einen Workshop. Bestimme passende Mitwirkende, vereinbare eine klare Botschaft und kläre, wer auf welche Fragen antwortet.
Der größte strategische Gewinn entsteht, wenn du die Funktion in deine redaktionelle Zusammenarbeit einbaust. Fachwissen aus dem Unternehmen wird leichter zugänglich, Corporate Influencer bekommen sichtbare Anerkennung und die Unternehmensseite erhält Inhalte mit Nähe zur Praxis.